Vom Kometeneinschlag zur Astro-Premiere

Ein Blick auf den Jupiter machte Berthold Waßmuth vor über 30 Jahren zum Astronomie-Enthusiasten
18. Juni 2026

Als Berthold Waßmuth 1994 die Einschläge des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter durch ein Teleskop beobachtete, wurde aus Neugier Begeisterung. Mehr als drei Jahrzehnte später gehört der Vorsitzende der Astronomischen Vereinigung Bodensee e. V. (AVB) zu den Menschen, die maßgeblich dazu beitragen, dass mit der Astro wieder eine Astronomiemesse im Süden Deutschlands entsteht. Die neue Veranstaltung feiert am 27. Juni 2026 parallel zur Ham Radio in Friedrichshafen ihre Premiere. „Durch das Teleskop waren die dunklen Einschlagsstellen in den Wolkenbändern des Planeten sichtbar. Das hat mich unglaublich fasziniert. Seit diesem Erlebnis war ich von der Astronomie nicht mehr loszubekommen“, erinnert sich Berthold Waßmuth. Über die AVB fand Waßmuth Gleichgesinnte und übernahm später den Vorsitz des Vereins. Heute zählt die Vereinigung rund 70 Mitglieder und gilt insbesondere wegen ihrer Nachwuchsarbeit als Vorbild.

Berthold Waßmuth, Vorsitzender der Astronomischen Vereinigung Bodensee e.V.

Ein Verein mit besonderem Blick auf den Nachwuchs

„Wir haben einen engagierten Jugendleiter und eine sehr aktive Jugendgruppe“, sagt Berthold Waßmuth über die Jugendarbeit des Vereins. Das sei das Aushängeschild der Gemeinschaft. Während viele Vereine mit Nachwuchssorgen kämpfen, treffen sich in der Astronomischen Vereinigung Bodensee e. V. regelmäßig junge Menschen, die sich für Technik, Naturwissenschaften und den Sternenhimmel begeistern. Für Waßmuth liegt der Grund auf der Hand: Astronomie weckt Neugier und lädt zum Entdecken ein. Wer zum ersten Mal die Krater des Mondes oder die Ringe des Saturn sieht, reagiert oft mit Staunen. „Genau das macht Freude“, sagt er. „Wir wollen die Astronomie der Bevölkerung näherbringen und das tun wir mit Herzblut.“

Das Ende einer Astronomiemesse wurde zum Ansporn

„Bis 2019 gab es mit der AME in Villingen-Schwenningen eine bedeutende Astronomiemesse im Süden Deutschlands. Nach der Corona-Pandemie konnte diese jedoch nicht mehr fortgeführt werden“, bedauert Berthold Waßmuth. Ihm und weiteren Mitgliedern der AVB war schnell klar, dass sie diese Lücke mit einer neuen zentralen Plattform für die Szene füllen möchten. Gemeinsam gründeten sie ein Organisationsteam und begannen, nach Möglichkeiten für eine neue Messe zu suchen. Die Planungen waren zwischenzeitlich bereits weit fortgeschritten, als ein Veranstalter kurz vor Vertragsabschluss absprang. „Da waren wir natürlich erst einmal geknickt“, erinnert sich Waßmuth. Aufgeben sei jedoch keine Option gewesen. „Wir haben uns immer wieder gesagt: Wir ziehen das jetzt durch.“ Schließlich führte der Weg zur Messe Friedrichshafen. Gemeinsam entstand die Idee, die neue Astro parallel zur Ham Radio auszurichten – Europas größter Amateurfunk-Ausstellung.

Wenn die Amateurfunk- und Astronomie-Community zusammenkommen

Für Berthold Waßmuth ist die Verbindung beider Veranstaltungen mehr als eine organisatorische Lösung. „Eine große Gemeinsamkeit ist die Technikbegeisterung“, sagt er. „Darüber hinaus gibt es die Radioastronomie. Sie bildet eine spannende Brücke zwischen Astronomie und Amateurfunk“, erklärt der Experte. Besonders gespannt ist er auf die jungen Besucherinnen und Besucher beider Communities. „Wenn unsere Jugendgruppe und die Jugendorganisationen der Funkamateure miteinander ins Gespräch kommen und daraus langfristige Kontakte entstehen, wäre das ein großer Gewinn.“ Auch seine eigene Geschichte verbindet beide Welten. Noch bevor er sich intensiv mit Astronomie beschäftigte, experimentierte er als Kind mit CB-Funk und sammelte erste Erfahrungen mit Elektrotechnik.

Den Himmel neu entdecken

Am 27. Juni erwartet die Besucherinnen und Besucher der Astro ein Angebot mit mehr als 30 Ausstellern, zahlreichen Vorträgen und praktischen Einblicken, das von der AVB mitgestaltet wird. Auf dem Programm stehen unter anderem Vorträge zur Astrofotografie sowie Live-Beobachtungen der Sonne. Mit speziellen H-Alpha-Teleskopen lassen sich dabei Protuberanzen und andere Vorgänge auf der Sonnenoberfläche sichtbar machen. „Man kann der Sonne gewissermaßen beim Arbeiten zuschauen“, sagt Berthold Waßmuth.

Die Astro richtet sich dabei nicht nur an erfahrene Sternfreunde, sondern ausdrücklich auch an Neugierige und Neulinge. „Wer noch nie durch ein Teleskop geschaut hat, sollte das unbedingt einmal tun“, sagt Waßmuth. Für ihn geht es dabei um weit mehr als Technik oder Wissenschaft. „Menschen beobachten den Himmel seit Jahrtausenden. Astronomie gehört damit zum kulturellen Erbe vieler Gesellschaften. Sie hilft uns zu verstehen, welchen Platz die Erde im Universum einnimmt.“ Besonders eindrücklich sei für ihn bis heute ein Bild der Raumsonde Cassini geblieben. Vom Saturn aus fotografiert, erschien die Erde darauf nur noch als winziger Punkt.

„Solche Perspektiven zeigen, wie klein und zugleich wie wertvoll und einzigartig unsere Welt ist.“ Vielleicht beginnt auf der Astro für manche dieselbe Leidenschaft, die Berthold Waßmuth vor mehr als 30 Jahren mit einem Blick auf den Jupiter entdeckte.

Tickets und Öffnungszeiten

Die Astro findet am Samstag, 27. Juni 2026 statt und hat von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte der Astro berechtigt an diesem Tag auch zum Eintritt zur Ham Radio. Das Parken auf den Messe-Parkplätzen sowie die Nutzung des Shuttle-Busses MX sind kostenlos. Die Tageskarte kostet an der Tageskasse 24 Euro und ist online für 17 Euro verfügbar.

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